09.04.2021

Pressemitteilung Ausstellung "Bildergeschichten"


#jubiläum25-4 Ausstellung:

BILDERGESCHICHTEN

11. März -28. März 2021

Mit Werken von Martin Abentung, Ulla Albert, Roswita Braunz, Gabi Dräger, Maria Erlebach, Eva Ernst, Susanne Freiburger, Christa Geiger, Helmut Germann, Gabriele Gieseler, Annette Girke, Petra Göbel, Sylvia Catharina Hess, Martina Kelting, Petra Kolberg-Bürk, Brigitte Körber, Mag. Längle-Pollhammer, Gabriele von Mallinckrodt, Josef Meyer, Sylvia Mehnert-Kalenda, Roland Milkau, Alessandra Motta-Rees, Luise Neuner, Stephanie Pech, Katharina Pitzl, Susanne Plischke, Gabriele Riedel, Jacqueline Rieger, Gabriele Roman, Mayra Fernandez de Schäfer, Mirko Schallenberg, Gabriele Schobesberger, Karin Schuberth-Meister, Katharina Siebert, Angelika Sobek-Kistner, Merdjanoff Spass, Josef Thallinger, Ariane Tkany-Lutz, Renate Tönnies, Michaela Unterlechner, Waltraud Wengert, Annabelle Wimmer Bakic, Hille Winkler, Anton Winter

Einführung: Stefan Wimmer, Direktor der Kunstakademie Bad Reichenhall

Ort: Städtische Galerie –Kunstakademie, Alte Saline 83435 Bad Reichenhall

Ausstellungsdauer:  11. März -28. März 202!
Zu besichtigen auf Facebook, youtube

Liebe Kolleg*innen, liebe Redakteur*innen,

am Donnerstag, den 11, März 2021 um 19 Uhr eröffnen wir unsere Ausstellung BILDERGESCHICHTEN in der Städtischen Galerie/Kunstakademie Bad Reichenhall. Die Ausstellung beschäftigt sich mit Geschichten bzw. der so genannten Narration in Bildern. Wir präsentieren Geschichten, die Künstler*innen auf die Leinwand oder das Papier bannen, als Illustrationen oder Graphic Novels, aber auch metaphorische Darstellungen. In der vierten Präsentation unserer Ausstellungsreihe im Rahmen des Jubiläumsprogramms 25 Jahre Kunstakademie Bad Reichenhall zeigen wir insgesamt 45 künstlerische Positionen.

Geschichten in Bildern, kaum etwas ist älter als dieses Prinzip menschlicher Kommunikation. Weit vor einer abstrakten Textform, kennen wir in der Menschheitsgeschichte die visuelle Darstellung von Ereignissen. Seien es die Höhlenmalereien von Lascaux, die biblischen Geschichten mit Bildern in alten Schriften, die für Kirchen- und weltliche Fürsten geschaffenen Bildwelten der Alten Meister, die heute in den bedeutendsten Museen der Welt zu finden sind.  Aber auch in der Gegenwart finden sich die scheinbar banalen Alltagsgeschichten, die sich in Illustrationen, Fotostrecken bis hin zu den modernsten Formen der digitalen Präsentation und des Story Telling in Graphic Novels etc. präsentieren und natürlich nach wie vor in der Malerei eine große Rolle spielen. Beispielhaft seinen hier die Werke des Leipziger Malers Neo Rauch genannt.

Dabei scheint es kaum ein Thema oder Sujet zu geben, dass keine Rollen spielen kann: menschliche Beziehungen, historische Ereignisse, literarische und filmische Vorlagen, insgesamt Rückgriffe auf alle Formen der Medien wie Film, digitale Bildwelten etc. In dieser Ausstellung präsentieren wir in 45 künstlerischen Positionen eine große Bandbreite künstlerischer Erzählungen. Heute sprechen wir nicht mehr von Geschichten sondern von Narration, da oftmals nur Zitate und keine umfassenden Erzählungen dargestellt werden und vor allem der Prozess einer sich entfaltenden Geschichte sichtbar gemacht wird.

Wir haben auch diese Ausstellung in Abschnitte gegliedert und uns dieses Mal entschieden den Videorundgang in zwei Teile aufzuteilen. Mit den Werken von Annette Girke, Sylvia Christina Hess, Josef Thallinger und Martin Abentung werden tagesaktuelle bzw. gesellschaftliche Entwicklungen erzählt. Bei Girke und Hess werden in vollkommen unterschiedlicher Art und Weise der Kampf bzw. die körperliche Auseinandersetzung thematisiert. Girke zeigt sie uns als „Wasserpistolen-Battle“ zweier Jugendlicher in einer Urlaubssituation als heitere Szene, die uns Spiel statt Überlebenskampf assoziieren lassen. Bei Hess dagegen sehen wir eine am Boden liegende Person, die von mehreren anderen Personen mit Füßen traktiert wird. Hier kommen einen sofort zahlreiche Szenen von entfesselter Gewalt in den Sinn und die Frage nach dem Umgang mit Gewalt und Selbstkontrolle bei Menschen. Wir als Betrachter werden in die Situation der Voyeure gezwungen und es wird implizit die Frage nach unserer Haltung und unserer Bereitschaft zu handeln gestellt. In der Gegenüberstellung dieser beider Positionen wird die Bandbreite unseres Umgangs mit Gewalt und den Sozialisationsprozessen von Gewaltkontrolle thematisiert. Thallinger und Abentung dagegen scheinen sich für Fragen nach unserem Umgang im öffentlichen Raum bzgl. Kommunikation zu stellen. Thallinger präsentiert uns einen Verkehrsknotenpunkt, sei es eine Bahnhofshalle oder ein Flughafen an dem Reisende warten. Einige sind scheinbar im Gespräch andere mit ihren Smartphones beschäftigt, dennoch bleibt der Ort ein Ort der Begegnung. Abentung dagegen stellt eine Warteschlange in einer Bibliothek oder Universität dar. Im Hintergrund sehen wir Bücherregale. Die Wartenden befinden sich zwar offensichtlich alle in einem Raum sind aber durchgängig nur mit sich und ihrer Welt (Blase?) beschäftigt. Gleichzeitig könnte es eine Erzählung über unseren Zugang zu Wissen sein. Zwar ist der historische Ort der analogen Wissensvermittlung sichtbar, dennoch findet der Zugang der Menschen nur über ihre digitalen Endgeräte statt. Beide Orte (Bahnhof und Bibliothek) sind klassische Orte der modernen Stadtgesellschaft, Ausdruck von Vernetzung und Mobilität und der Verdichtung städtischen Lebens. Gekennzeichnet durch Anonymität und gleichzeitiger Anwesenheit.

Eine zweite sehr wichtige Gruppe von Werken befasst sich Menschen und Ihrer Beziehung miteinander. Beginnend mit dem Gemälde „Nocturne“ von Susanne Freyburger, das ein Paar in festlicher Kleidung in einer Bar oder einem Restaurant zeigt, präsentieren wir eine ganze Reihe an Kunstwerken mit diesem Themen. Die pastose und gestische Malerei suggeriert eine intensive Situation. Der Mann hält eine Zigarette in der Hand und erinnert an ein berühmtes Selbstbildnis von Max Beckmann im Smoking mit Zigarette. Sofort werden wir auch in die Zeitenwende von 19. in das 20. Jahrhundert mit einer starken Urbanisierung versetzt.

Gabriele Riedel und Susanne Plischke dagegen befassen sich mit dem Verhältnis der Generationen. Während Plischke die persönlichen Erinnerungen an Ihre Kinder sowohl mit der fotorealistischen Darstellung der Figuren der Sesamstrasse und der Muppet Show reflektiert, verhandelt Riedel in ihrer fotorealistischen Darstellung von Eltern mit Ihrem Baby die intime und persönliche Beziehung von Eltern mit Ihren Kindern im allgemeinen Sinne. Dies findet Ausdruck in einer dichten und intensiven Darstellung der Pflege des Babys, das voller Innigkeit und in der farblichen Umsetzung verstärkt mit der christlichen Ikonografie der Farben Marias, rot und blau, spielt. Petra Kolberg zeigt uns in Ihrem Gemälde eine schlafende Frau auf einem roten Bett, das Zimmer ist bis auf ein Bild an der Wand schmucklos und kahl und erinnert an Edward Hopper. Die Kühle des Raumes lässt den Betrachter eher an Einsamkeit, denn an Wohlbefinden denken. Benachbart dazu haben wir von Anton Winter die Gesellschaftskritik zu Konsum und Freiheitsentzug platziert. Wir sehen eine Frau auf einer goldenen Toilette, offensichtlicher Luxus. Die Person hält eine Glaskugel in der Hand in der eine Taube eingeschlossen ist, die zwar zu fliegen scheint, aber die Größe der Glaskugel macht dies unmöglich. So ist die weiße Taube weder Friedenssymbol noch Symbol von Freiheit und Glück. Konsumterror und die eigene Knechtschaft des Menschen auf der Suche nach Reichtum und Macht werden hier durch die Anbetung des Mammon offengelegt.

Die letzte größere Gruppe von Werken beschäftigt sich mit der Mythologie und Literatur. Gabriele Schobesberger zitiert Don Quichotte, Christa Geiger spielt mit den Motiven von Rotkäppchen, das eine junge Frau beim Joggen im Wald oder Park zeigt, eher begleitet als verfolgt von einem Wolf und die Großmutter hat sich mit Ihrem Rollator abgewendet und entfernt sich von Rotkäppchen und Gabi Dräger bietet uns einen Ausblick in das Science Fiction Genre zwischen Perry Rhodan und Lara Croft. Diese Arbeit besticht auch durch die extrem in Neonfarben gehaltene Palette.

Die Mythologie findet ihren Widerhall in den drei reduzierten Zeichnungen von Waltraud Wengert. Wengert zeigt zwei s/w Zeichnungen von Krähen und eine Frauenfigur. Die Frauenfigur ist an den Rand gedrängt und angeschnitten und gleichzeitig alleine. Die Krähen dagegen bilden eine Gruppe und stehen offensichtlich für übergeordnete Intelligenz. Nicht nur in der Mythologie, auch in der osteuropäischen Literatur sind Krähen die Vögel der Weisheit und Seher. Ihre Fähigkeit hoch in der Luft weiter als der Mensch zu sehen und damit die Zukunft erkennen zu können wird hier kombiniert mit dem Phänomen des Sozialen und der Kommunikation zwischen den Krähen. Das Verhältnis von Mensch und Natur, von Mensch und anderen Lebewesen beschäftigt auch Annabelle Wimmer-Bakic. Ihr Bild „we are all indigenous“ zeigt uns eine Gruppe von Menschen, die überlagert wird durch ein Netzwerk, eine Gaze, auf der obiger Text geschrieben steht. Inhaltlich verweist der Text darauf, dass alle Menschen Ureinwohner dieser Erde sind und nicht nur die Menschen, sondern auch alle anderen Lebewesen aus einer Ganzheit, einem Kosmos resultieren. Das Werk zielt offensichtlich auf mythologische Fragen unserer Herkunft. Zusätzlich bildet die Ausstellung in Bad Reichenhall für dieses Werk nur den Auftakt einer weltumspannenden Reise. Es wird in den kommenden Jahren in unterschiedlichen Kontexten - private Haushalte, Unternehmen, Sammlungen, öffentliche Plätze und andere Institutionen der Kunst – gezeigt werden. Das Werk ist der Bewusstseinsträger für die Einheit des Menschlichen und Kosmischen und wird diese Einheit durch Ubiquität sichtbar machen.

Auf Grund der Corona Pandemie ist ein Besuch in der Ausstellung leider nicht möglich. Sie können die Ausstellung aber über unsere social media Kanäle digital ansehen. Der Videorundgang wird ab 11. März 2021, 19 Uhr verfügbar sein.

 

Wir freuen uns, über redaktionelle Beiträge.

 

Stefan Wimmer +49 8651-3713 oder wimmer@kunstakademie-reichenhall.de