09.04.2021

Pressemitteilung Ausstellung "Face It!"


#jubiläum25-3 Ausstellung:

FACE IT!

Mit Werken von BERNARD AMMERER, ANGELA BRASTER, ROSWITA BRAUNZ, WALTRAUD DIETRICH, EVA E IBER, BEATE FAHRNLÄNDER, CHARLOTTE FECHNER, ALEXANDRA FRADL , ANNETTE G IRKE, RUPERT GREDLER, DANI ELA GRI EBL, MANUEL GRUBER, GISELA HAMMER, JOSEFINE HARTL , N ICOLA HEIM, PETRA HERRMANN-BOECK, JUDITH JANSEN, VERENA

KNOTT, KOLARZ- LAKENBACHER, PETRA KOLBERG-BÜRK, CHRISTA MARIA MARSCHALL , BRIGITTE MASKOS, SONJA ORASCHE, BOGDAN PASCU, GERTRUD PLESCHER-FAHNLER,

CHRISTA REDIK, GABOR  RICHTER, GABRIELE RIEDEl , BARBARA SCHÖN, ANGELIKA SOBEK-KISTNER, CHRISTA SPENCER, LORENZ STÖTTER, HANNA STRAHL , MONIKA SUPÉ, MICHAELA SURNER, SIGRID WILL, RAGNA ZEIT-WOLFRUM

 

Einführung: Stefan Wimmer, Direktor der Kunstakademie Bad Reichenhall

Ort: Städtische Galerie –Kunstakademie, Alte Saline 83435 Bad Reichenhall

Ausstellungsdauer:  25. Februar – 7. März 2021

Zu besichtigen auf Facebook, youtube

 

Liebe Kolleg*innen, liebe Redakteur*innen,

am Donnerstag, den 25. Februar um 19 Uhr eröffnen wir unsere Ausstellung FACE IT! Die Ausstellung Die Ausstellung vereint Werke die den Menschen und das Porträt in den Fokus der künstlerischen Idee stellen und ist unsere dritte Präsentation in diesem Jahr in der Städtischen Galerie/Kunstakademie Bad Reichenhall. Wir haben für diese Ausstellung insgesamt 37 künstlerische Positionen zusammengetragen. 

Das Motto dieser Ausstellung, FACE IT!, ist im zweifachen Sinne zu verstehen. Zum Einen zielen wir bei diesem Projekt auf Kunstwerke ab, die das Gegenüberstellen, die Konfrontation mit Themen, Personen oder Fragen aufgreifen. Zum Zweiten beschäftigen wir uns mit dem Porträt.

Das Porträt ist seit der Antike eine wichtige künstlerische Form. Hierbei sind über die Jahrhunderte vielfältige Umgangsweisen damit verbunden worden. In der Antike die Schaffung göttlicher Abbilder, bei den Alten Meistern die Repräsentation von weltlichen und kirchlichen Herrschern. Bis hin zum Aufbruch des Bürgertums mit seinen Repräsentanten, die dann sowohl in ihren Funktionen als Sammler oder Politiker ihr Abbild in der Kunst finden. Aber und dies ist ein ganz besonderes Genre, die Künstler*innen selbst in ihren Selbstporträts haben Ihre Rollen, Ihre Seelen- und Gemütszustände in Bildern Ausdruck gegeben. Inder Gegenwart spielt das Portrait und noch bedeutender das Selbstportrait eine bedeutende Rolle und hat seinen Widerhall im Alltag der Menschen durch die so genannten Selfies gefunden. 

Der Startpunkt der Ausstellung sind zwei großformatige Gemälde unseres Dozenten Bernard Ammerer. In seiner fotorealistischen Darstellung eines Mannes und einer Frau können wir Menschen der Gegenwart in Ihrer Typologie erkennen, ohne dass wir einen persönlichen Bezug bzw. Ausdruck in der Darstellung finden. Gesteigert wird diese künstlerische Perspektive auf den Menschen durch Ammerers Verwendung des Textes „Person“ auf den Bildern, die ebenfalls eine allgemeine Beschreibung ohne individuellen Ausdruck bedeuten. Unmittelbar daneben haben wir eine Skulptur von Manuel Gruber installiert. Ein Betonguss eines Kopfes, dem ein zweiter Kopf kopfüber von der Decke hängend begegnet mit einem Abstand von ca. 35 cm. Das Porträt einer Person wird mit einer weiteren Ansichtigkeit wie bei einem horizontalen Spiegel gezeigt. Beide Köpfe bestehen aber nicht aus dem gleichen Material und zeigen in dieser Materialverschiebung eine Differenz in der Erscheinung und möglicherweise damit eine Art anderen Charakter, obgleich wir dennoch die gleiche Person sehen können.

Das Porträt ist Motiv und Gegenstand zahlreicher Werke in der Ausstellung. Beispielhaft erwähnen möchte ich die fotorealistische Darstellung eines farbigen Musikers durch Sonja Orasche und ein großformatiges Frauenportrait von Hanna Strahl, das durch seine intensive Farbigkeit besticht. In dieser Kategorie finden wir auch Portraits berühmter Persönlichkeiten wie Martin Walser, Astrid Lindgren, Harald Schmidt und nicht zuletzt Udo Lindenberg. Die Zeichnung von Udo Lindenberg (von Michaela Surner) zeigt zum einen das typische Erscheinungsbild des Musikers mit Hut und Sonnenbrille aber ist zugleich Metapher für einen bestimmten Typ von Männlichkeit. In Zeiten von me too, Diskussionen über Geschlechteridentitäten und Diversität und damit ein Aufbruch in eine Neubewertung der Geschlechterrollen erscheint ein solches Werk schon beinahe als Provokation. Dieser Arbeit zur Seite gestellt haben wir eine Serie von Collagen von Nicola Heim, die sich mit dem Frauenbild in der Kunst wie in der gegenwärtigen Medienlandschaft auseinandersetzt und in Ihren Collagen aus Fotostrecken von Modemagazinen, Textpasssagen und einem Materialmix dieses Frauenbild überlagert, zerstört und kritisch hinterfragt.

Auch dazu haben wir eine Art FACE IT platziert. Mit einem Gemälde einer sitzenden Frau im Sessel von Petra Kolberg sehen wir kunsthistorische Anleihen an die Darstellung von Frauen im 19. Jahrhundert. Schön hergerichtet, mit aufwendiger Kleidung und als reine Schönheit oder Muse inszeniert – vergleichbar zu Frauenportraits von Renoir oder Caillebotte. 

Eine zweite Gruppe von Werken ist der Idee des Gegenüber, des Kontrapunkts, der Konfrontation gewidmet. Hierzu zählt ein Gemälde von Gabriele Riedel, das uns die rechts-nationale Szene in Deutschland präsentiert. Ihre Malweise ist fotorealistisch, aber näher an einer offenen Art wie wir Sie aus alten Filme kennen und doch sehr konkret in der Erzählung. Wir sehen einen Mann mit Mikrofon auf einer Kundgebung, der ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift „I love Hitler“. Die Liebe zu Hitler ist mit einem Herz symbolisiert, das die Künstlerin aber mit einer Wunde versehen hat (ein Messerstich) aus der Blut auf der Leinwand hinabfließt. Dieses gesellschaftskritische Moment sehen wir in anderen allegorischen Darstellungen der Ausstellung wie bei Rupert Gredler, einem Künstler aus Salzburg auch. Allerdings bewegt sich Gredler auf einer anderen Ebene. In seinem „Ikarus III unten“ sehen wir den Künstler selbst mit einem Fahrradhelm an den rechten, unteren Bildrand gerückt. Verdrängt und bedrängt durch viele andere Bildelemente wie Pflanzen, einer weiteren Person, von der wir nur die Beine zu sehen bekommen und wir auf einer Theaterbühne ein Relief von Ikarus. Der Mann hält in seiner rechten Hand einen Stock an dem er eine Windhose hält, die ihm möglicherweise Aufschluss über die Windrichtung gibt oder sogar als Flughilfe gedient hat, aber da er sich im Absturz befindet offensichtlich den Dienst versagt hat. 

Mit der Videoinstallation von Charlotte Fechner präsentieren wir auch eine absolut zeitgenössische Form der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Porträt. Wir sehen einen Frauenkopf der sich in wechselnden und sich überlagernden Bildern aus dem Weiß herausbildet und wieder darin verschwindet. Das bewegte Bild kommt einerseits dem unmittelbaren Leben näher gleichzeitig schafft die Technik eine kühle Distanz.

 

Auf Grund der Corona Pandemie ist ein Besuch in der Ausstellung leider nicht möglich. Sie können die Ausstellung aber über unsere social media Kanäle digital ansehen. Der Videorundgang wird ab 25. Februar 2021, 19 Uhr verfügbar sein.

 

Wir freuen uns, über redaktionelle Beiträge.

 

Stefan Wimmer +49 8651-3713 oder wimmer@kunstakademie-reichenhall.de