06.12.2019

PRESSEMITTEILUNG #horizont Ausstellung: NACH DEN STERNEN GREIFEN


PRESSEMITTEILUNG_06.12.2019

#horizont Ausstellung: NACH DEN STERNEN GREIFEN

Der Kosmos in Kunst, Design und Wissenschaft

 

Mit Werken von JAN KATH, ROBERT LONGO, HIROYUKI MASUYAMA, THOMAS RUFF,

ANNABELLE WIMMER-BAKIC, BERND ZIMMER

 

Eröffnung: Donnerstag, den 10. Oktober 2019, 19 Uhr

Grußwort: Dr. Herbert Lackner, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall

Einführung: Stefan Wimmer, Direktor der Kunstakademie Bad Reichenhall

 

Ort: Städtische Galerie im Alten Feuerhaus, Aegidiplatz 3, 83435 Bad Reichenhall

Ausstellungsdauer:  11. Oktober – 17. November 2019

Öffnungszeiten: Do – Sa 15-18 Uhr, So 12-15 Uhr

 

Liebe Kolleg*innen, liebe Redakteur*innen, 

wir freuen uns Ihnen heute unsere kommende Ausstellungseröffnung mit dem Titel „NACH DEN STERNEN GREIFEN. Der Kosmos in Kunst, Design und Wissenschaft“ in der Städtischen Galerie im Alten Feuerhaus anzukündigen. Die Eröffnung findet morgen, Donnerstag, den 10. Oktober 2019 um 19 Uhr in der Städtischen Galerie im Alten Feuerhaus statt.

Der Kosmos beschäftigt die Menschen seit tausenden von Jahren. Der Himmel ist Projektionsfläche für Ängste, Sehnsüchte und Sinnbild für das Göttliche. Seit den Ägyptern und den Griechen ist der Kosmos aber auch Anlass für die Bedeutung der Mathematik und des logischen Denkens. Mit Galilei und Newton aber vor allem auch mit den jüngsten Erkenntnissen in der Astrophysik (Nobelpreis 2017 – Gravitationswellen | Nobelpreis 2019 – Exoplaneten und Urknall) sind Visionen und neue Horizonte für eine allgemeine Öffentlichkeit wieder sichtbar geworden. Die bildende Kunst und Design schaffen Bilder für die Sehnsüchte und Perspektiven unseres Denkens.

Dabei sind Kunst und angewandte Künste in vielen Fällen in doppelter Hinsicht von Interesse, da Sie Vorstellungen und Projektionen sowohl der Wissenschaft wie auch der Philosophie ein Gesicht geben – beispielhaft seien hier Odyssee im Weltraum oder die Star Wars Trilogie genannt.  Die digitale Technologie ermöglicht mit zunehmender Rechnerkapazität die Darstellung uns bisher nur theoretisch vorstellbarer Welten. Mit der Bildwerdung erschließen sich auch Laien theoretische Phänomene der Astrophysik. Die Kunst hat schon seit Jahrtausenden dazu gedient einen Blick auf diese Phänomene zu ermöglichen und die Vorstellungskraft des Menschen zu erweitern.

In dieser Ausstellung vereinen wir Kunstwerke national und international bekannter Künstler. Mit dem Teppich von Jan Kath, dem bedeutendsten deutschen Teppichdesigner, wird insbesondere die Möglichkeit der Trennung von visueller Information und Bildträger durch die Digitalisierung aufgegriffen. In seinem Teppich „Space 4“ verwendet er Bildmaterial des Hubble Teleskops und setzt dieses in der traditionellen Knüpftechnik des Orients ein. Diese Methode der Bilderzeugung entspricht der digitalen Konstruktion von Bildern (Pixel) und der Künstler erhebt somit ein abstraktes mathematisches Prinzip zur Bildgenerierung auf die analoge Materialebene. 

Die Bedeutung der technischen Möglichkeit durch großformatige Teleskope oder Satelliten, Bilder aus den fernsten Winkeln unsers Sonnensystems zu beschaffen, ist zunächst lediglich die Möglichkeit Informationen zu sammeln. Welche Bedeutung diese Informationen haben bedarf der wissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Reflektion ihrer technischen Produktion ebenso wie der kritischen Prüfung der Bildkomposition. In seinen Sternenbildern thematisiert Thomas Ruff (*1958) die Bildwirkung des zweidimensionalen im Gegensatz zum dargestellten dreidimensionalen Raum. Er zeigt uns die Verkürzung des Raumes auf zwei Dimensionen und reduziert damit die Weite des Kosmos. Zentral in seiner Fotokunst ist die Hinterfragung unserer Bildwirklichkeit. Die serielle fotografische Wiedergabe dieses Raumes offenbart einerseits die Ähnlichkeit des Bildausschnitts und andererseits die Ungreifbarkeit des Phänomens des Universums. Die Serialität reduziert dennoch erstaunlicherweise nicht die sublime Erhabenheit der Vorstellungswelt des Menschen aus.

In der zweiten Serie von Fotografien des Universums „press++“, die Ruff erst 26 Jahre nach den ersten Sternenbildern fertigt, nutzt er Pressefotografien der 1930er bis 1970er Jahre, welche er aus amerikanischen und japanischen Zeitungsarchiven erwerben konnte. Die von ihm ausgewählten Fotografien umfassen das ganze Spektrum der Nachrichtenwelt – von Politik bis Gesellschaft, von Wissenschaft bis Technik, von Kultur bis Mode. Für die Serie scannte Ruff die Vorder- und Rückseite der Fotografien und kombinierte die beiden Seiten, so dass sie gleichermaßen zur Geltung kommen und das Foto mit allen Texten, Bemerkungen und Benutzungsspuren der Rückseite verschmolzen wird. Indem Ruff die visuellen und textlichen Bestandteile der Pressefotografien verbindet, die im Original nie gleichzeitig sichtbar sind, lässt er ein neues und vielleicht „wahrhaftigeres“ Bild des jeweiligen Ereignisses entstehen.

Das soziale Phänomen der Wirkung und Bedeutung von Bildern beschäftigt auch den US-amerikanischen Künstler Robert Longo (1953). Die enorme Kraft und die dauerhafte Beeinflussung des Menschen durch überwältigende Bilder nutzt Longo, um daraus ikonographisch explizit definierte Typen zu extrahieren und gleichzeitig diese Überwältigung in Beziehung zu diesen Archetypen zu bringen. Seine Serie „Outward and Visible Signs“ in denen er uns Bilder anbietet, die die Schönheit und die Faszination des Menschen zu seinen Ursprüngen im Kosmischen aufgreift, werden durch die Technik der fotorealistischen Kohlezeichnung derartig überhöht, dass der Betrachter darin versinkt. Die damit einhergehende Bildkraft evoziert eine Erhabenheit und Ergriffenheit, die den Betrachter keinerlei Distanz mehr halten lässt. Er thematisiert in verschiedenen Serien – auch in der hier präsentierten – die Sterblichkeit des Menschen, seine relative Bedeutung im Kosmos und schafft in der großformatigen Kohlezeichnung das Gefühl der Überwältigung, das in der Kunstgeschichte insbesondere durch Altarbilder hervorgerufen wurde.

Der japanische Künstler Hiroyuki Masuyama (*1968) nutzt unsere Faszination des Sternhimmels und lädt die Besucher*innen dieser Ausstellung ein ins Universum einzutauchen. Hiroyuki Masuyama ist ein Zeitreisender. Der in Düsseldorf lebende japanische Künstler ist mit seiner kulturellen Tradition eng verbunden, in der alles beseelt ist und Zeit und Raum nur in der physisch-materiellen Welt Grenzen kennt. Mit seinem Objekt „0“ bildet er jenen geistigen Raum in der Wirklichkeit nach, der in unserer Seele verkörpert ist.  Die Visualisierung von Phänomenen oder Tatsachen führt beim Menschen zu einer neuen Realität. Dies nutzt Masuyama indem wir sein Objekt – eine Holzkugel mit dem Durchmesser von 186 cm, dessen Hülle mit 30 000 Löchern versehen ist, die mit Fiberglasfäden gefüllt sind – betreten können. Sitzen wir innerhalb der Kugel und der Zugang wird geschlossen, befinden wir uns unmittelbar im Weltall. Der Sternenhimmel ist um uns herum und ermöglicht uns eine gänzlich neue und umfassende Erfahrung des Universums. Das zentrale Thema Masuyamas ist die Verortungen des Individuums in Zeit und Raum. In all seinen Werken hebt er die Trennschärfe von Zeit und Raum auf. Das Individuum kann gleichzeitig in zwei verschiedenen Zuständen sein. Das Eintreten in die Kapsel versetzt bildlich gesprochen die Besucher*innen in genau diese Situation. Zum einen in der Ausstellung und zum anderen gleichzeitig im Universum.

Bernd Zimmer (*1948) gehörte in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts der Gruppe der Jungen Wilden an, die die Malerei wieder ins Zentrum der Kunst gebracht haben. Expressivität, Farbe und Gegenstand waren wesentliche Komponenten, die zu jener Zeit in der Kunst kaum eine Rolle gespielt haben. Bernd Zimmer hat sich im Laufe seines Schaffens in vielfältiger Form mit Naturphänomenen beschäftigt und dabei nicht die Natur als Abbildung auf die Leinwand gebannt, sondern als Idee. In den Bildern der Serie „Cosmos“ greift der Künstler die Möglichkeit auf, dass ein Maler nicht die Abbildung eines natürlichen Phänomens beschreibt, sondern einen eigenen Kosmos entwirft. Zimmers Kosmos beruht auf dem Zusammenspiel von Farben, auf der Erzeugung von Tiefe und der Bedeutung der Oberfläche. In seinen Abstraktionen des Universums spiegelt sich sowohl die Idee eines unendlichen Raums wie auch die Beziehung zwischen den Elementen wieder.

Mit den drei Kupfertafeln von Annabelle Wimmer-Bakic (*1972) tritt eine weitere Ebene des visuellen Bewusstseins auf. Während Zimmer einer Idee eine visuelle Form gibt, sind die Kupfertafeln von Wimmer-Bakic die reine Idee, die keinen Gegenstand mehr kennt, sondern nur Bewusstseinsstrom und energetische Zustände. Dem Kupfer als leitendem Material wird die Energie übergeben und die neutrale weiße Farbe schafft eine Art Schleier. Dieser Schleier ist aber in seiner unterschiedlichen Konsistenz Koordinatensystem, Rhythmus und gleichzeitig Verdichtung oder Auflösung. Diese Aggregatzustände werden teilweise direkt in das Material eingeschrieben und beinhalten damit eine andere Dauer.

Dieses Ausstellungsprojekt wird gefördert durch die Bürgerstiftung der Sparkasse Berchtesgadener Land und dem Kulturfonds Bayern.

  

Ausstellungsdauer: 11. Oktober – 17. November 2019

Öffnungszeiten: Do – Sa 15-18 Uhr, So 12-15 Uhr

 

Begleitprogramm

17. Oktober 2019, 17 Uhr

Direktorenführung durch die Ausstellung mit Stefan Wimmer

 

31. Oktober 2019, 17 Uhr

Direktorenführung durch die Ausstellung mit Stefan Wimmer

 

7. November 2019, 19 Uhr

Direktorenführung durch die Ausstellung mit Stefan Wimmer

 

13. November 2019, 19.30 Uhr

Dr. Tim Otto Roth: [aiskju:b]

wenn der Raum zum Instrument wird, in dem der Kosmos widerhallt

Medienraum der Kunstakademie Bad Reichenhall, Alte Saline 10, 83435 Bad Reichenhall

 

Es gibt spezielle Führungen und workshops für Schulklassen.

 

Wir freuen uns über die Ankündigung der Ausstellung wie über redaktionelle Beiträge und stehen wie immer gerne für weitere Auskünfte und hochaufgelöstes Bildmaterial zur Verfügung: Stefan Wimmer +49 8651-3713 oder wimmer@kunstakademie-reichenhall.de