NEWS / EVENTS

16.11.2019

Ausstellung Johannes Ziegler „flotsam and jetsam (Medusa)“


Ausstellung Johannes Ziegler
„flotsam and jetsam (Medusa)- Malerei, Zeichnung, Fotografie“

Eröffnung 19. November 2019, 19 Uhr

Wir laden Sie hiermit zur Ausstellungseröffnung am 19. November 2019 um 19 Uhr herzlich ein.
Grußwort: Dr. Herbert Lackner, Oberbürgermeister der Stadt Bad Reichenhall
Einführung: Dr. Margit Zuckriegl, Kunsthistorikerin Salzburg

Öffnungszeiten Donnerstag bis Samstag, 15-18 Uhr und Sonntag 12-15 Uhr
Die Ausstellung ist aus organisatorischen Gründen von 23. November bis 6. Dezember geschlossen.

Städtische Galerie im Alten Feuerhaus | Aegidiplatz | 83435 Bad Reichenhall

 

Zeilen zu »flotsam and jetsam (Medusa)«, Ausstellung Bad Reichenhall

„Die Welt der Bilder, die mich seit jeher begleitet, umkreist stets das Thema des Blickes des Flaneurs und Wandernden. Es sind dies: Wahrnehmungen aus dem Augenwinkel heraus, »snap-shots«, die zu Bildern werden, Notwendigkeiten, sorgsam gefiltert aus der Flut von Eindrücken, Fundstücke, Destillate, die in Malereien, Zeichnungen oder fotografischen Bildern münden. Die aktuelle Ausstellung »jetsam and flotsam (Medusa)« führt nun jene drei Medien in der Galerie der Alten Feuerwache Bad Reichenhall in einem Wechselspiel in einer Schau, das unter dem Arbeitstitel »Medusaprojekt« entstanden ist, zusammen.

Auslöser dieses Projektes waren Beobachtungen im Herbst 2015/16 (am Höhepunkt der sogenannten »Flüchtlingswelle«) am Österreichisch-Deutschen Grenzfluss Salzach, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen und die vorerst einmal fotografisch festgehalten wurden. Nach schweren Unwettern im Gebirge im Oberlauf des Flusses war Treibgut am Ufer angeschwemmt worden: Schwemmholz, ganze Baumstämme und kleineres Bruchholz, das in das Buschwerk der Böschung und des felsigen Ufers gedrückt und geworfen worden war, karges Geäst, geschliffen, geschabt und verstümmelt, Triebe, die gerade noch im Saft gewesen waren, die verzerrt, verdreht, und zerrissen dazwischen umher lagen und so für eine unbestimmte Zeit lang liegen bleiben würden im Irgendwo. Beinahe zeitgleich waren Hundertschaften von Flüchtlingen am Grenzübergang zwischen Österreich und Deutschland gestrandet – ungewiss, was ihnen bevorstehen werde, wurden sie dort provisorisch versorgt und in Notunterkünften untergebracht, verharrten bis auf weiteres an Böschungen am Straßenrand.

Das Gesehene und Gesammelte wurde sortiert – das Projekt begann Form anzunehmen. Einige der am Fluss entstandenen Aufnahmen konnten als Fotoarbeiten verwertet werden, doch beschäftigte mich ein weiterer Aspekt, der mit Überlegungen zu Wahrnehmung und in meiner Erschütterung weiter arbeitete. Ist das Bild einer Fotografie ein Einfrieren eines Augen-Blickes, der kürzer als ein Wimpernschlag ist, auch kürzer als das Unterscheidungsvermögen, über welches das Auge verfügt, so bildet sich in Wahrheit in der Erinnerung der Gegenstand aus den verschiedenen aufflackernden Einzelheiten des Gesehenen heraus. So entstanden ausgehend von den fotografisch festgehaltenen Bildern in den kommenden Jahren Zeichnungen und Malereien, in denen  Erinnertes, Gesehenes und Geschautes durch Zusammenfügen und Überlagern der einzelnen Teile und Blicke zusammen geführt wurden. Beinahe stilllebenartig wird in Gemälden und Zeichnungen das Momenthafte, das Verwaschene und Gestoßene, Geschliffene und Gezerrte der Trümmer an Bruchholz, das Geknickte und Gebündelte des Schwemmholzes aufgenommen und werden nun in der Ausstellung in ihrem Dialog, der über literarisches oder anekdotisches hinaus geht, zusammen geführt.

So sind die hier gezeigten Malereien, Zeichnungen und Fotografischen Arbeiten trotz der Koinzidenz der Ereignisse keine Kommentare, schon gar keine tagespolitischen. Die Ausstellung umspielt Allgemeines, jenseits des »Auslösers« – eine Momentaufnahme, die einen Teil eines umfangreicheren Flusses bildet, der im laufe der Jahre stets noch Stück um Stück breiter werden kann …“ – Johannes Ziegler